Die Rechte der Natur, das Menschenrecht auf eine gesunde Umwelt und das traditionelle Wissen indigener Völker

Wir sind Teil der Natur

John Trudell, 1980**:

“…The Power. We are a natural part of the Earth. We are an extension of the Earth, we are not separate from it. We are a part of it. The Earth is our Mother. The Earth is a Spirit, and we are an extension of that Spirit. We are Spirit. We are Power. They want us to believe that we have to believe in them and depend upon them, and we have to assume these consumer identities, and these political identities, these religious identities, and these racial identities. They want to separate us from our Power. …
… We have to understand our role as a Natural Power….”

Aus: “The Indigenous Voice, Visions & Realities”, Vol. 2, ed. by Roger Moody, IWGIA Copenhagen, Zed Books Ltd. London and New Jersey, 1988, Band 1, Seite 299

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Gespräche, Musik und Austausch bis zum späten Abend - gemeinsamer Spirit
Gespräche, Musik und Austausch bis zum späten Abend - gemeinsamer Spirit

Wir sind ein Teil der Erde

Es ist nicht zufällig, dass ich in diesem denkwürdigen Jahr 2020 beginne, Interviews mit Indigenen Menschen zu führen und ebenso mit Menschen, die mit ihnen gemeinsam leben und wirken. Sie setzen sich für den Schutz der Natur und Umwelt ein und damit auch für Menschenrechte - mit ihrer ganzen Kraft und manche sogar bereit, ihre Freiheit zu verlieren.

Während ich mit Teresa, meiner ersten Interviewpartnerin, über die Rechte der Natur und das traditionelle Wissen der Indigenen Völker sprach, wurde mir richtig klar, wie selbstverständlich es für mich immer gewesen ist, dass der Mensch ein Teil der Natur ist. Ich habe es nie anders empfunden. Aber im Laufe der Schuljahre, im Studium und im Beruf gab es andererseits die getrennte Betrachtung von Mensch und Natur.

Durch die Naturverbundenheit meiner Familie, meine Wurzeln und einige Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und Einstellungen, die mich umgeben, habe ich mein eigenes Empfinden nie in Frage gestellt; aber es hat mich immer wieder die Frage beschäftigt, warum diese Verbundenheit für manche Menschen gar nicht zu existieren scheint, oder gar nicht verstanden wird, was damit überhaupt gemeint ist.
In meiner langjährigen Tätigkeit als Reiseveranstalterin authentischer Reisen zu Indigenen und Nomaden fragte ich mich oft, warum Menschen Reisen in die schönsten Landschaften planen und landschaftliche Highlights wichtige Stationen der Reisen sind, einer intakten Natur während ihres Urlaubs ein so hoher Stellenwert zugeordnet wird, aber warum die einheimischen Menschen in den besuchten Ländern und ihre Kultur und Lebensweisen kaum im Vordergrund stehen bei der Planung einer Reise.

Die Verbindung – oft tiefe Verbundenheit - der Menschen mit dem Land auf dem sie leben - nehmen wir sie überhaupt noch wahr? Existiert sie für uns? Oder liegt es daran, dass allgemein in unserer westlichen Welt die Natur nur nach dem Wert bemessen wird, die wir ihr geben? Ein Gebrauchswert oder gar Verbrauchswert?
Für die Indigenen und Nomaden ist es essenziell sich selbst als Teil der Natur zu sehen - sie leben diese Verbundenheit im Alltag.  

Es mag daran liegen, dass wir in der westlichen Welt schon lange eine andere Weltsicht haben und unseren Alltag abgekoppelt von der Natur leben. Und vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, dass sich manche Menschen entwurzelt fühlen und beim Reisen auf die Suche nach (ihren) Wurzeln gehen...

Die Weisheit der Indigenen

Besonders bewusst wurde mir der Unterschied bei meinen ersten Reisen durch Canada und meine ersten persönlichen Begegnungen mit Indigenen Menschen. Zwischen der Weltanschauung der Westlichen Welt und der der Indigenen Kulturen klafft eine Lücke. Eine Lücke, die ich in der westlichen Welt mit nichts gefüllt sehe - außer vielleicht mit Religion, mit Besitz, mit dem Haben - aber kaum mit dem Sein.

Die gleiche Lebenseinstellung der Menschen, ein Teil der Natur zu sein und dies vollkommen zu leben, begegnet mir in der Mongolei, wenn ich bei Nomaden zu Gast bin und bei Ewenken am Baikalsee... und bei Berbern in Marokko und ich erlebte dies auch zutiefst eindrucksvoll mit Angehörigen der Tuareg in Mali und Burkina Faso. Die Selbstverständlichkeit, die diesen Einklang mit der Natur nie in Frage stellt, macht den Unterschied aus, den Unterschied zwischen einem stimmigen Lebensgefühl und einer gewissen Leere und Verunsicherung, so als würde ich aus der Balance geraten. Inzwischen weiß ich, dass ich damit nicht alleine bin. In meiner Reiseveranstaltertätigkeit begegnen mir immer mehr Menschen, die nach Ganzheit und mehr Balance streben und die Basis dafür auf Reisen finden möchten. Sie möchten von den indigenen Menschen lernen.

Eines meiner eigenen eindrucksvollen Erlebnisse war ein Gathering in Kanada - hoch im Norden, mitten in der Natur. Indigene Gemeinschaften organisierten das Gathering auf Initiative des Committee for Future Generations Saskatchewan um ihrer Verantwortung für einander, für ihr Land und die nachfolgenden Generationen gerecht zu werden.

4 Jahre zuvor waren wir bereits bei einigen Metis und Cree in Saskatchewan zu Gast und erlebten damals, wie das Wahrzeichen des Committee for Future Generations entstand - ein wunderschönes Bild. In einem kreativ-spirituellen Workshop entwickelten indianische Jugendliche aus Beauval im Haus von Candyce und Marius dieses berührende Bild, dessen Aussage sich dem Betrachter beim ersten Blick erschließt. 

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Committee for Future Generations - Symbol - Saskatchewan Kanada
Committee for Future Generations - Symbol - Saskatchewan Kanada

Die Auswirkungen unserer Entscheidungen bis in die 7. Generation bedenken!

Das Gathering - das Survival Celebration Camp for Sustainable Earth in Kanada - ist ein schönes Beispiel um zu verstehen, welche Rolle das traditionelle Wissen und die Weisheit der Indigenen spielen für den Schutz der Natur, die Achtsamkeit und Verantwortung für unsere Umwelt und unsere Zukunft. Wir alle sind schließlich davon betroffen und darin eingeschlossen. Das Committee for Future Generations initiierte das Survival Celebration Camp gemäß dem „Seventh Generation“-Prinzip der First Nations. Bei diesem Prinzip geht es darum, die Auswirkungen unserer Entscheidungen bis in die 7. Generation - also auf lange Frist - zu bedenken!

Wir alle erlebten während der Tage des Gathering hautnah diese Power, die John Trudell benannt hatte. In South Bay am See Ile-A-La Crosse im Norden der Kanadischen Provinz Saskatchewan kamen Métis, Cree und Dene Elders zusammen, um sich gegen ein Atommüll-Endlager in Nord-Saskatchewan auszutauschen und zu informieren. Sie kamen nicht nur aus den umliegenden Reservationen und Siedlungen, sondern auch aus anderen Kanadischen Provinzen, wie z.B. Alberta. Familien, junge Leute, Älteste aus den indigenen Communities nahmen ebenso teil wie engagierte und fachkundige Umweltschützer und Aktivisten aus Saskatchewan und internationale Unterstützer.
Weitab von jeder Stadt in den kanadischen Wäldern, in denen Eichhörnchen neugierig bis an dein Zelt kommen und die Vögel nicht wegfliegen, wenn man durch die Büsche streift, in einer friedlichen Gegend am See, zu dessen Ufer auch Rehe und Hirsche in der Dämmerung zum Trinken kommen, fühlen wir uns verbunden miteinander und mit der Natur.

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Survival Celebration Camp South Bay mit Gemeinschaftshaus in Saskatchewan Kanada
Survival Celebration Camp South Bay mit Gemeinschaftshaus in Saskatchewan Kanada

Am frühen Morgen begann jeder Tag mit einer Begrüßungszeremonie durch einen hochangesehenen Ältesten der First Nations. Am ersten Tag zündete er dabei ein Feuer an, das während der gesamten Zeit gehütet wurde und immer brannte. An diesem Feuer kamen wir nun jeden Morgen in einem Kreis zusammen, um gemeinsam den Tag zu begrüßen. Im Vordergrund stand der Dank, dass wir dort sein durften, dass so viele gekommen waren, dass wir gesund sind und dass wir gemeinsam hier für Mother Earth aktiv sind. Gemeinsam beteten wir für Mutter Erde, eine gesunde Erde für alle Lebewesen und die nachfolgenden Generationen. Ein Gemeinschaftsgefühl, das auch die Natur mit einband, wurde in der Zeremonie zu einer großen Kraft, die über das Gathering hinaus wirksam ist. Der Älteste wünschte für alle Teilnehmenden Gesundheit, Kraft und Erfolg für das Vorhaben, die Region gegen die Pläne eines Atommüll-Endlagers zu verteidigen, die Natur zu schützen und vor weiterer Zerstörung zu bewahren.

Atommüll auf dem Land der Indigenen? Atommüll im Naturparadies Kanada?

Nach dem Morgenritual begannen die täglichen Gesprächskreise und Workshops über nachhaltige Energiequellen - emotional und sachlich, spannend und klar.

So teilten wir einige Tage lang in einem einfachen Lager mit unseren kleinen Zelten, einem großen offenen Versammlungs-Haus und einem gemeinsamen Platz am Kochzelt jede Menge Erfahrungen, Meinungen, Kaffee und Essen. Alle waren versorgt und jeder Einzelne wurde respektiert - eine Basis dafür, dass so ein großes Meeting gelingt. Caring and Sharing - das ist traditioneller Grundsatz der First Nations. Sich umeinander kümmern und miteinander teilen. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für die Menschen, er gilt auch für die Erde, für die Natur.

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Talking Stick für die Gesprächskreise
Talking Stick für die Gesprächskreise

Die Aussprachen und der Meinungsaustausch fanden in Form eines „talking circle“ statt: reihum erhielt jede Person das Wort – symbolisiert durch einen „talking stick“; solange die Person den talking stick in Händen hält, hat sie das alleinige Rederecht, alle anderen hören zu.
Das „Diskutieren“ im westlichen Sinne, Wortgefechte, erhitzte Debatten, oder auch Redezeit-Beschränkungen kommen traditionell nicht vor ...
Mich hat stark beeindruckt, mit welcher Offenheit die Personen sprachen vor dem Kreis der Elders und Unterstützer. Auch die jungen Leute und die Jugendlichen wurden ermutigt und darin unterstützt, sich zu äußern. Sie durften dies auch mit Hilfe eines kleinen vorbereiteten Textes tun, denn es ist nicht einfach in einer großen Runde bei einem so wichtigen Gathering aus sich heraus zu gehen und zu sprechen über das was einen bewegt. Manchmal wurde es sehr emotional - und es war sofort jemand da, der dem Sprecher oder der Sprecherin zur Seite stand, damit gesagt werden konnte, was gesagt werden wollte.

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Banner Committee for Future Generations für Mother Earth
Banner Committee for Future Generations für Mother Earth

Als wir nach 4 Tagen intensiver Gespräche und Workshops, Gesprächskreisen und langer Abende am Lagerfeuer mit Musik und Geschichten auseinandergingen, wusste keiner von uns, ob das Survival Celebration Camp for Sustainable Earth langfristig erfolgreich gegen die Pläne eines Endlagers für Atommüll in Saskatchewan war.

Heute wissen wir: es gibt es kein Endlager für Atommüll in Saskatchewan.
Und die meisten der Uranminen in Saskatchewan liegen still.

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Ile-a-la Crosse in Saskatchewan Kanada - die Einwohner gehen auch miteinander achtsam um
Ile-a-la Crosse in Saskatchewan Kanada - die Einwohner gehen auch miteinander achtsam um

Hintergrundinformationen und Fakten findet ihr im Artikel der Journalistin Sandra Cuffe, die am Survival Celebration Camp for Sustainable Earth in Ile a la Crosse teilnahm.
Mehr auf der website des Committee for Future Generations.

Die Natur hat Rechte - Gespräche mit Dr. Teresa Giménez

Zur Zeit haben wir keine Möglichkeit zu reisen. Die Corona-Pandemie und die Reisebeschränkungen halten uns überwiegend zu Hause. Nur innerhalb von Europa kann man eine kurze Zeit lang relativ unbeschwert reisen. Und so haben wir im Herbst Gäste - Freunde, unter ihnen Teresa, eine Professorin der Rechtsphilosophie aus Spanien. Wir haben einige gute Gespräche über Umweltschutz, Indigene, die Rechte der Indigenen und natürlich über Teresas Arbeit. Und diese Gespräche sind ein Augenöffner, ihre Arbeit, die sie hier in dem folgenden Artikel darstellt, öffnet uns wirklich die Augen!

In dem Moment, in dem ich glücklich bin, weil ich ihren tiefen Respekt und ihre Verbundenheit zu den Indigenen erlebe, beschließe ich eine Interviewreihe mit Angehörigen der Indigenen Völker durchzuführen. Teresa ist nämlich eine Frau, die als Rechtsprofessorin an einer spanischen Universität das Verständnis für Ökologie an die Überzeugung knüpft, dass Indigene Völker seit jeher als Selbstverständlichkeit leben, was in der noch jungen  Wissenschaft der Ökologie in unserer ‚modernen’ westlichen Gesellschaft als Kernaussage von größter Bedeutung ein neues Fundament setzt: der Mensch ist Teil der Natur und die Natur hat Rechte.

Im Juli 2020 erzielte Teresa mit ihrer Arbeitsgruppe einen besonderen Erfolg: Mar Menor, die Lagune im Süden Spaniens, erhielt den Rechtsstatus einer Person und ist ein Beispiel für die Rechte der Natur hier in Europa. Interessant für uns - Mar Menor liegt an einem der größten touristischen Zentren Spaniens und in der Nähe des riesigen Gemüseanbaugebietes Almeria!  Mar Menor ist das größte Binnenmeer Europas und kämpft um sein Leben! Einst war es ein Paradies, ein Geheimtipp, bis die Tourismuswirtschaft die Gegend zu einer neuen Touristenhochburg ausbaute. Jede Menge belasteter Abwässer, Nitrate und Pestizide fließen seit Jahren in das Mar Menor. Wahrzeichen der Umweltschützer am Mar Menor ist das Seepferdchen, denn die Seepferdchen sterben, die letzten kämpfen um ihr Überleben. 2016 und 2019 kippte das Ökosystem Mar Menor. Die Schadstoffe, die auch aus illegalen Anbaugebieten ins Mar Menor fließen, zerstörten das einstige Badeparadies. Mar Menor grenzt übrigens an einen Naturpark.

Teresa Vicente Giménez, Dr. der Rechtsphilosophie, Direktor des Lehrstuhls für Menschenrechte und Naturrechte an der Universität Murcia, Spanien, erläutert in ihrem Gastbeitrag die Bedeutung dieses Rechtsstatus der Natur, wie es dazu kam und welche Rolle Indigene Völker dabei spielen.

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Teresa Vicente Gimenez - der Lehrstuhl für Menschen- und Naturrechte wird geboren
Teresa Vicente Gimenez - der Lehrstuhl für Menschen- und Naturrechte wird geboren

Foto: Dr. Teresa Vicente Giménez

Gastbeitrag von Dr. Teresa Vicente Giménez

"Im zwanzigsten Jahrhundert entwickelte sich die Wissenschaft der Ökologie, die die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und natürlicher Umwelt aufzeigt. Die Verwendung des Begriffs Ökologie beginnt Ende des 19. Jahrhunderts mit dem deutschen Zoologen Ernst Haeckel, und im Laufe des 20. Jahrhunderts konsolidiert sie sich und floriert als Wissenschaft. Ab den 1970er Jahren tauchte die Ökologie in der akademischen Welt auf, die ersten Lehrstühle an den Universitäten wurden geschaffen und die Ökologie wurde als Wissenschaft an den Universitäten studiert.

Was haben die Rechte der Natur und die Ökologie mit dem traditionellen Wissen indigener Völker zu tun?

Die Kultur der indigenen Völker hat den Menschen immer als Teil der Natur betrachtet, was die Wissenschaft der Ökologie im 20. Jahrhundert aufzeigt. Diese neue Vision, dass der Mensch zur Natur und nicht die Natur zum Menschen gehört, dass die Menschheit eine weitere Spezies innerhalb des Ökosystems des Planeten Erde ist, bedeutet eine große Veränderung in der westlichen Welt. Es ist ein Fortschritt vom Anthropozentrismus, der die moderne Zeit in Europa kennzeichnet, zum Ökozentrismus, der das Ökosystem in den Mittelpunkt stellt, d.h. die Natur als Grundeinheit sieht. Der Ökozentrismus sagt, die Natur ist das Zentrum, die Natur ist das Wesentliche, und wir müssen ihre Grenzen respektieren!

Seit Rousseaus Denken ist in der westlichen Welt eine Grenze zwischen den Sozialwissenschaften und den Naturwissenschaften gezogen worden. Entsprechend dieser Grenze oder Trennung wurde in den Sozialwissenschaften, wie z.B. den Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften, die Natur als Objekt betrachtet, untersucht und genutzt.

Im 21. Jahrhundert begann eine neue geologische Ära der Erde, das so genannte Anthropozän, das uns zeigt, dass der Mensch die Grenzen der Erde überschritten hat und die Zerstörung der Ökosysteme und den Verlust des ökologischen Gleichgewichts des Planeten verursacht hat.

In diesem neuen geologischen Zeitalter der Erde, das durch den Verlust der biologischen Vielfalt, die drohende Erschöpfung der nicht erneuerbaren Ressourcen und die Schwierigkeit der erneuerbaren Ressourcen, mit dem Wachstum des unbegrenzten Verbrauchs sowie der globalen Erwärmung und dem Klimawandel Schritt zu halten, gekennzeichnet ist, sagt die Wissenschaft der Ökologie das, was die indigenen Völker schon immer wussten, sagten und immer diese Haltung des Widerstands hatten: die Erde ist sehr krank und die Ursache ist der Entwicklungsweg des Menschen, der die Natur, ihre ökologischen Bedürfnisse und ihre Grenzen nicht berücksichtigt hat.

Mit der Ökologie und dem Kampf der Ökologen bricht eine neue Ära für die Natur an! Die Ökologen sagen dasselbe wie die indigenen Völker. Die Ureinwohner sagen, dass zum Beispiel der Fluss lebendig ist und als solcher Rechte hat, als Lebewesen.

Indigene Völker sind dafür ein gutes Beispiel. Die Ureinwohner wussten das die ganze Zeit und sagten es, sie betonen es und leben es: Der Mensch ist Teil der Natur und verhält sich auch so wie sie.

In der westlichen Welt dachten die Menschen lange Zeit, dass die Erde eine Scheibe sei, und das blieb auch lange so. Das ist dasselbe, als würde man sagen, dass die Erde, die Natur ein Objekt ist. Wegen der Gefahr für das Leben von Ökosystemen und Menschen muss die Menschheit jetzt verstehen, dass sie Teil der Natur ist, und das Leben, das Leben als Ganzes, respektieren. Die ganze Natur ist Leben, der Mensch ist Leben. Der Mensch ist in Gefahr, weil er die Natur in Gefahr gebracht hat. Die Verantwortung für den Planeten liegt bei uns, die Menschheit ist dafür verantwortlich, die Grenzen des Planeten überschritten zu haben.

Als die Europäer nach Amerika kamen, sagten sie, dass die Ureinwohner (Native Americans, Indianer) keine Rechte haben. Die Europäer haben das Leben der indigenen Bevölkerung zerstört. Heute haben Indianer Rechte, ebenso wie Frauen auf der ganzen Welt, die ebenfalls lange Zeit keine Rechte hatten. Jetzt ist es an der Zeit, der Natur Rechte zu geben bzw. die Rechte der Natur anzuerkennen! Es ist dasselbe Konzept, dasselbe Prinzip: der Ausschluss von Menschen und Lebewesen aus dem Geltungsbereich der Rechte und der Kampf um ihre Anerkennung.

Es ist im 21. Jahrhundert, im Zeitalter des Anthropozän, der beste Zeitpunkt und die beste Bedingung, mit Wissen, mit ökologischem Bewusstsein, mit ökologischer Ethik und mit ökologischer Gerechtigkeit voranzukommen, um der Natur Rechte zu geben. In Kolumbien beispielsweise erhielt der Fluss Atrato den Status einer juristischen Person, um seine Rechte durchzusetzen (das Urteil des kolumbianischen Verfassungsgerichts wurde 2017 bekannt)*. Andere Flüsse wurden später als Rechtssubjekte anerkannt, wie der Ganges und sein Nebenfluss, der Yamuna in Indien.  Das neuseeländische Parlament erkannte die eigenen Rechte des Whanganui-Flusses an, und die britische Krone entschuldigte sich bei den indigenen Völkern dafür, ihre Ansprüche auf die Rechte des Flusses nicht berücksichtigt zu haben." (Beitrag Ende)

* Im Jahr 2016 entschied das Verfassungsgericht Kolumbiens, dass der Rio Atrato Rechte auf "Schutz, Erhaltung, Pflege und Wiederherstellung" besitzt, und errichtete eine gemeinsame Vormundschaft für den Fluss, die von der indigenen Bevölkerung und der nationalen Regierung geteilt wird.

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Mar Menor mit Sonnenuntergang
Mar Menor mit Sonnenuntergang

Ergänzende Informationen über die Rechte der Natur

Die heute weltweite Bewegung für die Rechte der Natur begann 1972 in Kalifornien: 1972 veröffentlichte die Southern California Law Review den bahnbrechenden Artikel von Rechtsprofessor Christopher Stone mit dem Titel "Should trees have standing - towards legal rights for natural objects.“ (Dt.: „Haben Bäume Rechte? Plädoyer für die Eigenrechte der Natur“) und erst 2013 erreichte die Bewegung Europa. Das Buch ist sehr empfehlenswert!

Die Ausdehnung der gesetzlichen Rechte auf die Natur ist eine Idee, die sich seit Generationen entwickelt hat. Der Umweltschützer John Muir schrieb vor mehr als 100 Jahren, dass wir "die Rechte der gesamten übrigen Schöpfung" respektieren müssen. Im Jahr 2015 erklärte Papst Franziskus, dass es "ein wahres 'Recht der Umwelt' gibt...". Die meisten Rechte der Natur haben Indigene erkämpft.

Die NGO CELDF hat eine stets aktuelle Timeline mit den Schlüsselmomenten in der Entwicklung der Bewegung für die Rechte der Natur aufgestellt.

Community Environmental Legal Defense Fund (CELDF) erklärt in den Fast Facts die Bedeutung der Rechte der Natur in 2 Minuten in diesem Filmchen.

Mehr darüber bei Youtube:

A Closer look: Exploring Rights of Nature

The Rights of Nature: A Global Movement - Feature Documentary

Erfolge für die Rechte der Natur

Rio Atrato - ein Fluss in Kolumbien 

Der Gerichtshof stellt fest, dass der Rio Atrato Rechte auf "Schutz, Konservierung, Instandhaltung und Restaurierung" besitzt.

Das Urteil des Gerichtshofs ergeht in einem Fall, in dem es um die erhebliche Schädigung des Atrato-Flussbeckens durch den Bergbau geht, die Auswirkungen auf die Natur und die indigenen Völker hat.
Aus der Presseerklärung von CELDF: Die Erklärung, dass der Fluss Rechte hat, erfolgt nach Tausenden von Jahren der Geschichte, in denen die Natur nach dem Gesetz als "Eigentum" oder "rechtslos" behandelt wurde.  Ähnlich wie Frauen, indigene Völker und Sklaven nach dem Gesetz als Eigentum behandelt wurden, ohne gesetzliche Rechte, so behandeln die Rechtssysteme heute die Natur.  In diesem System regulieren Umweltgesetze die menschliche Nutzung der Natur, was zum weltweiten Rückgang der Arten und Ökosysteme und zur Beschleunigung des Klimawandels führt.

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Rio Atrato
Rio Atrato

Whanganui Fluss in Neuseeland erhält Grundrechte einer Person

Neuseeland: Über 140 Jahre kämpften die Maori um die Anerkennung des Flusses als Lebewesen. Einer der ältesten Rechtsstreits Neuseelands ist erfolgreich beendet.

Der Whanganui-Fluss auf der Nordinsel Neuseelands ist nur der drittlängste Wasserlauf des Landes. Aber wie kein anderer repräsentiert er die Schönheit und Vielfalt der Landschaft, die er auf dem Weg zum Pazifik durchfließt: Bergland, Regenwälder, ausgedehntes Grasland und Küstendünen. Aber noch etwas macht ihn weltweit einzigartig: In dieser Woche trat ein Gesetz in Kraft, das ihn zu einer Person erklärt. Und mit Rechten ausstattet – ähnlich den Grundrechten der Menschen.

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Whanganui River_Prince Harry Lesson - Tourism New Zealand - Whanganui Neuseeland
Whanganui River_Prince Harry Lesson - Tourism New Zealand - Whanganui Neuseeland

Foto: Tourismusamt Neuseeland

Das Zitat von John Trudell, 1980

ist aus: The Indigenous Voice, Visions & Realities, Vol. 2, ed. by Roger Moody, IWGIA Copenhagen, Zed Books Ltd. London and New Jersey, in 1988
Kap. 8 Endpiece: New Beginnings

The largest gathering in recent years of indigenous peoples and their supporters took place in the Paha Sapa (Black Hills) of South Dakota during the baking-hot late summer of 1980.

“For those who attended - and participants came from as far afield as Nicaragua, the Pacific, northern Europe, Canada, South America and throughout the United States - it seemed to signify an end to the compartmentalized, often divisive, single-issue movements of the 1970s, and the beginning of new international alliances between previously disparate forces. … Called the Survival Gathering, and organized by a unique coalition of whites and native Americans (Black Hills Alliance), in a brief six days scores of workshops and plenary sessions were held covering virtually every aspect of land-use, multi-corporate control, political oppression, indigenous self-determination, alternative health, energy and education. At the opening session of the Gathering, AIM co-founder John Trudell, in a remarkable address, drew together various strands of the emergent peoples` movements of the last 20 years and put them firmly in the context of an earth-based liberation which indigenous communities have practiced - against tremendous odds - for hundreds of years. …”

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Austausch mit Angehörigen der First Nations in Kanada gegen Atommüll
Austausch mit Angehörigen der First Nations in Kanada gegen Atommüll

Autor: Gudrun Wippel
Fotos: Wenn nicht anders bezeichnet - Gudrun Wippel

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