Marokko - Berberdörfer im Hohen Atlas

Auf den Spuren des Künstlers Titouan Lamazou waren wir im Hohen Atlas unterwegs. Dabei kannten wir ihn erst gar nicht. Das kam so: Auf unserer Reise von der Marokkanischen Küste nach Südmarokko, in die Sahara nach Zagora - zu unserem Wüsten-Trekking - machten wir Zwischenstation in Demnate, dem Tor zum Hohen Atlas Marokkos.


Dorf bei Demnate

Nicht direkt in Demnate sondern einige Kilometer hinter der Stadt stießen wir auf ein Schild am Straßenrand "maison d'hotes" und eine Art Feldweg am Hang der in den Wald führte. Die Frau in Demnate hatte uns also den richtigen Weg gewiesen - hier war ein Hotel! Wir waren hin und weg - so ein Schatz, der sich hier verbarg und offenbar nur Gäste auf besondere Empfehlung beherbergte. Naja, nicht ganz - denn wir hatten es ja auch gefunden: das Tizouit im Hohen Atlas. Es war schon dunkel, niemand da, beinahe wären wir umgekehrt. Aber ich war so müde, dass ich hartnäckig ans Tor klopfte. Sofort hörten wir Schritte, ein junter Mann öffnete das Tor und bald darauf standen wir vor einem bezaubernden Zimmer. Natürlich gefiel es uns und sehr gerne checkten wir für eine Nacht ein. Das terrassenförmig konzipierte Haus am Hang eines Berges liegt in einem wunderschönen Garten mit großem Pool, einem Teich, Bäumen... Bougainvillia umranken die Mauern, Granatäpfel reifen, Blumen und Kräuter duften ...
Luxuriöse Zimmer mit guten Betten und wunderschönen Bädern in traditioneller marokkanischer Architektur - ein angenehmes Klima. Nach der heißen Dusche war meine Migräne wie weggeblasen. Nach dem Abendessen fielen wir müde ins Bett. Die erste Nacht war unruhig - ein Frosch hüpfte durch das offene Fenster hinein und wurde wieder in den Garten gesetzt. In der authentisch marokkanischen Holzdecke knackte es, ein Gecko huschte über die Wand und blieb in der Mitte sitzen. Wir waren mitten in der Natur, daran muss man sich auch erstmal gewöhnen. Und weil das so herrlich ist beschlossen wir beim Frühstück, eine weitere Nacht zu bleiben. Aber eben nicht nur wegen des Tizouit, auch nicht wegen des besten Abendmenüs, das man sich wünschen kann - sondern wir entdeckten das Buch von Titouan Lamazou und Karin Huet!


Berber-Häuser im Hohen Atlas

Es zeigte uns den Schatz des Hohen Atlas - die Berber-Dörfer. Wo sind sie? Was macht sie aus? Wie leben die Menschen dort? Titouan Lamazou hatte mit seinen Zeichnungen in Perfektion den Aufbau der traditionellen Berber-Architektur festgehalten während er mit Karin Huet längere Zeit im Hohen Atlas in den Berber-Dörfern zu Gast war um die Architektur zu studieren. 
Die Route im Buch war unser Wegweiser für die nächsten Tage. 

Was wäre uns entgangen wenn wir dieses Buch nicht gesehen hätten! Vielen Dank, liebe Gastgeber, dass ihr es den Gästen hinlegt! Wir wussten um die Schönheit des Atlas, jedoch wenig über die Menschen die im zentralmarokkanischen Gebirge leben! Uns sie waren es die uns lockten mehr zu erfahren!
Die nächsten 2 Tage fuhren wir auf abenteuerlichen Straßen durch den Hohen Atlas und entdeckten ein Dorf nach dem anderen, Terrassenfelder mit Mais und Kartoffeln, Apfelbäume und Walnussbäume, Olivenhaine und Kaktusfeigen. Und das in solchen Höhen, und das in Bergen, die zur Wüste gehören. Die Dörfer sieht man von Weitem kaum, denn die Häuser sind aus dem Material der Umgebung gebaut. Ist die Erde und die Steine dunkel, so sind auch die Häuser dunkel, ist die Umgebung rötlich oder gelb - sind Häuser von gleicher Farbe, weil sie aus eben jenem Material gebaut sind. Allerdings holen sich heutzutage junge Leute für Neubauten moderne (aber unpraktische) Hohlblocksteine aus der Stadt! Grau!
Tiefe Täler, mit Flüssen und üppig grün, in denen aber auch noch die Spuren des Hochwassers von vor 2 Wochen zu sehen sind. Am Hang sich entlangschlängelnde Straßen, von denen Erdrutsche geräumt wurden. Das Unwetter war heftig und ungewöhnlich regenreich gewesen. Auch diese Eindrücke nahmen wir mit.

Und dann ein großer Markt - ganz oben auf einem schmalen Bergkamm, in einem ganz schmalen Dörfchen - kaum zu glauben. Die Leute schauten, es war uns schon peinlich, dass wir da mit dem Auto durchwollten und wären beinahe umgekehrt. Aber sie schauten nicht, weil wir sie auf ihrem Markt störten, sondern sie sorgten sich um uns - dass wir auch durchkämen. Sie winkten und leiteten uns hindurch und hielten sogar Seile beiseite, die den Stand stabilisierten, so dass wir unseren Weg fortsetzen konnten. Überall stießen wir auf freundliche, hilfsbereite, offene und grüßende Menschen, sie hießen uns willkommen und lachten und waren neugierig.

Nach dieser - unserer ersten kurzen Tour durch den Hohen Atlas Marokkos beschloss ich, neue Reisen aufzunehmen: Trekking - und Wandertouren im Atlasgebirge mit Besuchen der Berber in ihren Dörfern


typische Architektur der Berber im Hohen Atlas (einfaches Haus)

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