Temescal / Schwitzhütte der Indigenen Völker Südamerikas, Ecuador

Die Temezcal-Zeremonie wird seit Jahrhunderten von den indigenen Völkern Amerikas verwendet und ist ein uraltes Ritual für energetische Reinigung, Heilung und spirituelles Wachstum. Auf dem gesamten Kontinent wird es abhängig der Region in unterschiedlichen Formen praktiziert. Vielerorts schon fast in Vergessenheit geraten, lebt diese Tradition wieder auf und bewahrt so die Kultur unserer Vorfahren. Ich hatte die Gelegenheit in der Region von Otavalo Ecuador an dieser Zeremonie teilzunehmen. Die große Hitze, die in der Schwitzhütte benötigt wird, kommt von Vulkansteinen die in einem Feuer etwa 2 Stunden lang erhitzt werden.

Die Hütte selbst besteht aus einem Gerüst von Weidenzweigen und wird mit dunklen Tüchern bedeckt, bis es im Inneren vollständig Dunkel ist. In vier verschiedenen Durchgängen, welche den vier Elementen gewidmet sind, werden jeweils sieben Steine in die Hütte gebracht. Der erste Durchgang steht für die Luft, der zweite für das Wasser, der dritte für das Feuer und die vierte für die Erde. Das Feuer, in dem die Vulkansteine erhitzt werden, symbolisiert das männliche, die Hütte stell den Mutterleib dar. Die Steine werden Großmütter genannt, was die Verbindung zu unseren Vorfahren herstellt.

Ein Schamane, der mit den Teilnehmern in der Hütte sitzt und die Zeremonie leitet, streut Gewürze auf die Steine, gießt kaltes Wasser über sie und beginnt mit der Meditation. Der entstehende Dampf wird mit einem Federbüschel im Raum verteilt. Wir können um Unterstützung, Hilfe und Heilung bitten. Doch unsere Absichten sind sehr wichtig, sonst können wir keine Änderungen erfahren. Die Dunkelheit, die traditionellen Lieder, die Meditation und die Stille helfen dabei, die vier Elemente des Lebens und unsere Körperlichkeit aufzunehmen und mit uns zu vereinen. Man erlangt einen Zustand, in dem man das Gefühl hat mit der Natur zu verschmelzen, die Frage nach dem Sinn des Lebens wird bestätigt. Wir sind ein Teil vom Ganzen und müssen Verantwortung übernehmen. Eine Schwitzhütten Sitzung kann körperliche Leiden lindern, denn das Schwitzen wirkt entgiftend, es entspannt die Muskeln, Gelenke und Knochen, aber auch psychisch und mental kann es wie eine Art Therapie verwendet werden um sich von Phobien, Ängsten, Abhängigkeiten zu befreien oder um persönliche Beziehungen zu klären.

Diese Temazcal-Zeremonie ist ein sehr schöner und kraftvoller Moment, eine Gelegenheit, mit sich selbst, mit unseren Beziehungen und mit dem Leben zu versöhnen, neue Kraft und Energie aufzunehmen und um unsere Spiritualität zu erkunden. Die große Hitze bringt mich dazu, mich auf das wesentliche zu konzentrieren, die Atmung. Doch Gesänge und das Trommeln des Schamanen helfen mir dabei auszuhalten.

Nach jeder der vier Runden wird von außen die Tür geöffnet und frische Luft strömt ins Innere. Anschließend werden wieder neue heiße Steine von den Helfern draußen zur Schwitzhütte gebracht. Abhängig von der Größe der Gruppe kann so eine Zeremonie ein bis drei Stunden dauern. Nach dem Verlassen der Schwitzhütte duscht man sich mit kaltem Wasser ab und fühlt sich wie neu geboren. Noch Tage danach fühle ich mich wie aufgeladen. Vielleicht gehe ich jetzt gewisse Dinge anders und gewissenhafter an. 

Autor: Josef Gutmann, 15.07.2019

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