Was haben die Itelmenen von Kamtschatka mit allen Indigenen Völkern Sibiriens gemeinsam?

Indigene setzen sich in ganz Russland für den Schutz ihrer Umwelt und für ihre Menschenrechte ein

Interview mit Tjan Zaotschnaja

Der Schwerpunkt unserer Reisen liegt auf Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen, indigener Kulturen. Sie führen Sie in den Reichtum des kulturellen Erbes Indigener Völker.
Wir wollen statt der romantischen Vorstellungen von dem Leben in der Taiga und Tundra Sibiriens die Realität zeigen und die wahren Schätze der Kulturen in Sibirien für Sie erlebbar machen.

Im hohen Norden oder auf der herrlichen Halbinsel Kamtschatka, steht jedoch für viele Indigene Völker auch das Überleben ihrer Kultur und Sprache an erster Stelle. Das geht Hand in Hand mit dem Erhalt der Natur!
Menschenrechte werden mit Füßen getreten zugunsten der Ausbeutung der Bodenschätze durch große ausländische und russische Firmen. Die Indigenen Sibiriens möchten ihre Selbstbestimmung und ihr wertvolles uraltes Wissen bewahren. Der Schutz ihres Landes, der Umwelt, gehört zum Selbstverständnis der Indigenen. Diese Umwelt ist unser aller Lebensgrundlage!

Uns beschäftigt heute in dem Interview mit Tjan Zaotschnaja: Wie geht es den Indigenen auf dem Territorium von Russland?

Tjan Zaotschnaja ist eine bemerkenswerte Frau. Sie gehört zum Volk der Itelmenen auf der Halbinsel Kamtschatka. Kamtschatka liegt im Nordosten Asiens, im Fernen Osten der Russischen Föderation und ist weit bekannt als Naturparadies zwischen Feuer und Eis, ein Land der Vulkane. In Russland zählen die Indigenen Völker zur sogenannten Gruppe der „kleinen Völker des Nordens“. Was sich so schön anhört, ist in Wirklichkeit eine Marginalisierung... 

Tjan lebt seit über 40 Jahren in Deutschland, sie hat nie Itelmenisch, die Sprache ihres Volkes, sprechen gelernt. Als Kind sprach sie russisch - Russisch ist ihre Muttersprache. Für all dies gibt es Gründe, denn die Indigenen Völker Russlands wurden im Lauf der Geschichte immer wieder diskriminiert und ihre Kulturen fast ausgemerzt. 

Warum ist das so? Steckt dahinter einer der Gründe, dass sich Tjan Zaotschnaja seit Jahrzehnten für die Wiederbelebung und Erhaltung der Sprachen der Indigenen Völker Russlands engagiert? Sie hat Sprachprojekte mit großem Erfolg durchgeführt. Einige sind heute weiterhin wirksam und werden fortgeführt, denn das Selbstbewusstsein der Indigenen weltweit erwachte auch in Russland mit neuen Kräften.
Tjan engagiert sich rege für Angehörige der Indigenen Völker auf dem Territorium Russlands, die sich für die Rechte der Indigenen einsetzen. Sie kann das von Deutschland aus tun, was für Menschen in Russland gefährlich geworden ist - sich für Menschenrechte einsetzen. Sie engagiert sich im Rahmen der Münchener Regionalgruppe der GfbV für die Itelmenen und andere Indigene Völker Russlands. Unter anderem ist sie im Rahmen des Tollwoodfestivals in München und im Rahmen des Nuclear Free Future Award aktiv. Ein erfolgreiches Projekt für die Fischerboote für Itelmenen, die traditionell Fischer sind, hat Tjan mit der GfbV München durchgeführt. In einem Projekt zur Wiederbelebung und Erhaltung der Itelmenischen Sprache verwirklichte sie die Erstellung und Herausgabe eines Lehrbuches, eines Lesebuches in Itelmenisch/Russisch. Seit vielen Jahren macht Tjan Zaotschnaja regelmäßig 1-2 mal im Monat eine Radiosendung in München.

los geht's:

Liebe Tjan, ich danke dir, dass du dir die Zeit für unser Gespräch nimmst.

Du weißt, ich bin Reiseveranstalterin und meine Reisen gehen seit 17 Jahren vor allem zu Indigenen und Nomaden, in die Mongolei, nach Russland - Sibirien, nach Kanada, Südamerika und Afrika. Die Reisen gestalte ich gemeinsam mit den Menschen vor Ort im Sinne eines nachhaltigen Tourismus. Authentische Reisen... Nach meiner Erfahrung wissen viele Menschen hier erstaunlich wenig über Indigene Völker und ihr Leben, ihre Lebens- und Wirtschaftsweisen und ihre Weltanschauungen. Ich möchte durch Reisen die Tür öffnen zu mehr Verständnis und Harmonie zwischen diesen "Welten".

Tjan: Ja, das ist eine sehr gute Idee, ich verstehe es, denn das mache ich ja auch seit vielen Jahren. Jetzt wissen die Leute wer die Itelmenen sind, das hat ziemlich lange gedauert, aber durch die modernen Medien geht es schneller. Die Leute in Russland, die Indigenen, sind daran interessiert, dass die Menschen in Europa und in Deutschland mehr über sie erfahren.

Ich habe Kontakt mit Indigenen auf Kamtschatka und in Sibirien. Die Spezifik ist ja ein bisschen anders als Amerika oder Australien und ich habe zu dem Leben der Indigenen in Russland mehr Informationen (als über Indigene in anderen Teilen der Welt, Anm. GW).

Gudrun: Insgesamt weiß man hier weniger über die Indigenen Menschen in Sibirien und im hohen Norden als über Indigene Gemeinschaften in Amerika oder Australien. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Indigene oft mit den Menschen im Amazonas Regenwald assoziiert werden, aber das ist ja nur ein kleiner Teil.

Du lebst ja schon lange in Deutschland...

Tjan: Dieses Jahr schon 40 Jahre...

Gudrun: Eine lange Zeit, zwischendurch warst du ja immer wieder in Kamtschatka bei den Itelmenen, zu Hause...

Tjan: 2014 war ich das letzte Mal dort, 2015 bin ich Rentnerin geworden und habe eine kleine Rente und ich denke auch, dass ich da genug getan habe. Von 1990 bis 2014 bin ich fast jedes Jahr dort gewesen.

Mein Thema waren immer die Sprachen, die Itelmenische Sprache vor allem. Das Projekt habe ich erfolgreich beendet, und ich habe diesen Sommer erfahren, dass die Sprache in der Bibliothek in der Hauptstadt auf Kamtschatka und in einem Institut unterrichtet wird. Da waren 4 Studenten (auf Kamtschatka), die beteiligt waren. Wir haben das Projekt am Anfang unterstützt und es gab dort Menschen die das aktiv mitgemacht haben und glücklicherweise weiterentwickelt haben. Es gibt sogar eine Gruppe dort, die das Sprachprojekt über das Internet betreibt, nicht nur Itelmenen, auch andere.

Das ist auch sehr wichtig (über das Internet unterrichten zu können), dass die Menschen nicht erschrecken - die Sprache ist sehr schwer, ganz anders als Russisch, der Wortschatz und Aussprache sind ganz anders und die Sprache ist schwer zu erlernen.

Es gibt jetzt ein Wörterbuch Itelmenisch, sehr gut, denn es gibt viele Flüsse und Berge (Orte) die die lokalen Namen haben. Viele Orte, Flüsse und Berge auf Kamtschatka haben Russische Namen aber viele haben auch alte lokale Namen und nur einige Menschen wissen noch wie die heißen. Zum Glück gibt es auch einige alte Bücher, in denen man Informationen über die alten Namen der Orte findet.

Gudrun: Sprichst du selbst auch noch Itelmenisch?

Tjan: Ich selber kann kein Itelmenisch sprechen, meine Versuche wurden unterbrochen..., später war ich mit vielen anderen Themen beschäftigt, ich kam nach München und hatte kaum Zeit dafür Itelmenisch zu lernen... Ich vermittele zwischen Menschen in Russland und in Deutschland und anderen Ländern der Welt. Ob das jetzt zum Thema Klimawandel oder in letzter Zeit sehr stark das Thema Steinkohle ist, je nachdem wo es brennt oder was hier ein sehr großes Thema ist. Wenn Menschen anfragen gehe ich für sie auf Suche zum Thema. Menschen möchten etwas - dann suche ich hier um weiterzuhelfen, das ist meine Aufgabe.

Gudrun: Ich beginne ein neues Projekt, so dass Indigene reisen können, sich besuchen können oder kennenlernen können wie die anderen leben - z.B.  die Nomadenschule der Berber ist für Tuareg (wir arbeiten mit einer Frauenorganisation zusammen) interessant. Da ist Austausch gefragt und gut, vor Ort zu sein. Berber möchten wissen wie Sorben in Dt. leben und deren Lebensweg kennenzulernen, wie sie es schaffen, ihre Bräuche und Traditionen zu leben und die Sprache wieder zu beleben und zu lehren usw. Auch wenn das jetzt zu Zeiten der Corona Pandemie nur sehr begrenzt möglich ist, bin ich zuversichtlich, dass es klappt.

Tjan: Wir sollten in die Zukunft schauen und weil das Fundament bei dir da ist, dieses Ziel verfolgen.

Mit der Schorin, die sich gegen den Kohleabbau auf dem Territorium der Schoren einsetzt, habe ich geschrieben weil wir nicht reden, uns nicht besuchen konnten. In Kusbas gibt es nur schwarzen Schnee - Folgen des Steinkohleabbaus. Dort gibt es Ecken, wo sie was mit Tourismus machen wollen. Obwohl dort sehr viel Steinkohle abgebaut wird und die Natur zerstört ist, ist sie doch nicht 100% zerstört. Und weil man in der Welt immer weniger Steinkohle verbraucht und der Abbau und die Verarbeitung so umweltschädlich sind, muss man in die Zukunft schauen, Rekultivierung, Renaturierung machen und andere Perspektiven schaffen. Rekultivierung - wie bei den Sorben mit dem Braunkohleabbau oder in NRW.

Wenn die Situation mit dem Covid-19 in Russland besser wird, wäre es denkbar, dass eine kleine Gruppe kommt und hier in Deutschland kennenlernt, wie man das von Anfang an besser machen kann - die Rekultivierung oder auch die Umwelt von vorn herein besser schützen kann. Viele unserer Menschen kämpfen dagegen, dass abgebaut wird, das ist die ältere Generation, aber für die jüngere Generation müssen sich die Jüngeren und die Älteren gemeinsam Gedanken machen, um die Zukunft zu gestalten. Was den Tourismus betrifft wäre das eine gute Alternative. Wenn man von den Schoren nach Süden geht von Kusbas bis zum Altai, zu den Bergschoren, wäre das sehr attraktiv zu einer Reise zu verbinden um die Schönheit der Landschaft und das Leben der Menschen dort kennen- und verstehen zu lernen.
Irgendwann wird es besser und man soll jetzt nicht pessimistisch sein sondern nach vorne schauen.

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Landschaft mit dichtem Wald am Amur - Abendstimmung
Landschaft mit dichtem Wald am Amur - Abendstimmung
herrliche Waldlandschaft am Amur - Abendstimmung bei der Amur Flussreise Russland

Gudrun: Wie geht es den Menschen auf dem Territorium von Russland allgemein - bezogen auf die Indigenen Völker? Gibt es noch die Organisation Raipon?

Tjan: Ja, Raipon ist sehr regierungsnah und sie kritisieren nicht mehr viel. Aber es gibt das Forum.  Das ist ein Netz von verschiedenen Aktivistinnen und Aktivisten. Aber du weißt ja, wenn NGO's in Russland Geld vom Ausland bekommen und unterstützt werden werden sie als ausländische Agenten eingestuft und bekommen hohe (auch finanzielle, Anm. GW) Auflagen. Und die Gesetze wurden dieses Jahr wieder verschärft. Deshalb wollen sie unabhängig sein. Sie machen viele Vorschläge zu den Gesetzen, die die Indigenen Völker betreffen, versuchen die Gesetze zu monitoren - sie versuchen die Gesetzgebung zu beeinflussen. Z.B. zu Fischfang und Jagd usw., versuchen die Rechte innerhalb Russlands und außerhalb - z.B. über die UNO usw. - zu verbessern und durchzusetzen.

Gudrun: Arbeiten sie in Gremien der UNO und nehmen an Sitzungen teil?

Tjan: Ja, sie gehen zur UNO, sie gehen zu Themen wie Fischfang, auch zum Thema Frauen oder zu ökologischen Themen nehmen sie an Sitzungen teil. Sie haben immer wieder die Möglichkeit über Zoom zu sprechen oder teilzunehmen. Das ist für unsere Leute günstig. Sie leben in den entlegenen Regionen (in Sibirien und im hohen Norden) und es ist schwierig nach Moskau zu kommen, wenn man ins Ausland will ist es sehr sehr kompliziert und geht nur über Moskau.

Mit dem Klimawandel - das ist ein großes Problem. Die Rohstoffunternehmen und Firmen die das (die Rohstoffe, Anm. GW) transportieren haben sowieso schon großen Profit und es wird immer mehr, aber die Indigenen haben es immer schwerer. Sie haben nichts davon und man versucht zusätzlich noch Expertisen zu verhindern und das alles zu umgehen - mehr oder weniger - was Umwelt und Ökologie betrifft. Man baut im Norden Häfen und es soll schwimmende AKWs geben. Sie (die Indigenen) haben Probleme, und die Schäden, die vorhanden sind werden kaum beseitigt. Die Leute bekommen kaum Kompensation dafür. Du weißt das von Nornickel, da gab es große Umweltschäden. 700 Indigene auf der Halbinsel Yamal sollten Entschädigung bekommen und das war in Planung, aber sie haben noch nichts bekommen, es wird noch darüber diskutiert. Wenn hier bei uns noch Hochsommer ist, beginnt dort teilweise schon der Winter. Es geht auch darum, was die Leute essen. Die Umweltschäden beeinflussen sehr den Fisch, auch die Rentiere. Die sterben - wenn es zu viele Schadstoffe gibt, die sind giftig. (die Umwelt wird verseucht, das Wasser...).

Unabhängige Experten werden nicht zugelassen, es wird alles vom Staat gemacht und von den Firmen selbst - das ist ein Teufelskreis. In Belorus war eine Delegation von Greenpeace, dazu ein Mann aus Moskau, der sich mit Uran befasst und sie durften die Proben nicht mitnehmen, die sie entnommen haben, haben es aber dann doch irgendwie geschafft. Die Auswertung ist noch nicht da. Hier im Westen hat man Experten mit guter Ausstattung die auswerten können und vergleichen können.

Gudrun: Bist du gut mit den Aktiven vernetzt?

Tjan: Ja, im Sommer sind sie aber sehr beschäftigt und auch unterwegs, besonders im Sommer, aber ab und zu bekomme ich Informationen. Das Zentrum für Indigene macht alles auf Russisch. Die Indigenous Russia macht viel auf Deutsch. Aktionen wie zu Elon Musk/Tesla verbreiten sich gut und das ist etwas, was sich Leute (hier) gut vorstellen können. Grassroot-Organisationen können viel machen, sollen auch, weil die Großen (NGOs) machen viel und alle erfahren davon, aber die Grassrootorgs können sehr viel tun weil sie am dichtesten am Geschehen sind und oft direkt betroffen sind. Ich versuche, Projekte zu unterstützen, ich versuche das Thema bekanntzumachen. In München haben wir einige Unterstützer, sie machen mit bei Straßenaktionen und bei Radiosendungen.

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Fischzubereitung bei den Nanai während der Amur Flusskreuzfahrt
Fischzubereitung bei den Nanai während der Amur Flusskreuzfahrt
Bei der Amur Flusskreuzfahrt zu Gast im Dorf der Nanai

Gudrun: Ich habe eine Frage an dich zum Thema Indigene: Gibt es große Unterschiede in der Situation der Indigenen in Russland - es ist ja ein riesiges Gebiet und ich kann mir vorstellen, dass die im Norden lebenden Indigenen ganz andere Probleme haben als im Süden.

Tjan: Ja, die Probleme durch den Klimawandel sind überall riesengroß. Aber schon in den 90ern war es nicht mehr möglich da zu forschen, weil Russland den Klimawandel geleugnet hat und erst seit einigen Jahren spricht man darüber. Es gibt einige Phänomene, Folgen des Klimawandels, über die man spricht und nicht mehr leugnen kann. In diesem Sommer habe ich gesehen, dass Rentiere sehr verwirrt sind wenn sie Flüsse und Seen überqueren, weil sie nicht mehr wissen, wo sie Festland betreten - sie waren sogar in Ortschaften, weil sie die Orientierung verloren haben, weil die Routen die sie gewöhnlich nahmen sich ändern und gefährlich geworden sind.

Und auf Yamal gibt es große Löcher im Boden. Auf Yamal wird seit der Sowjetzeit Gas und Öl gefördert, und man weiß nicht, ob es daran liegt, man rätselt. Es wäre interessant herauszufinden, worum es sich da handelt. Die Nenzen sind Nomaden auf dem Europäischen und Asiatischen Kontinent, die große Routen mit den Rentieren zurücklegen und wenn sie auf diese Löcher stoßen, sind die sehr gefährlich für Menschen und Tiere.

In Yakutien (Sakha) macht man mehr zu Klimawandel, weil die Jakuten mehr Autonomie haben und mehr Geld haben und sie erlauben sich mehr zu forschen und zu unternehmen. Mehr weiß ich nicht, weil ich mich damit nicht intensiv beschäftigt habe, aber ich freue mich sehr, dass das Volk der Jukagieren sich mit der Sprache seit den 80er Jahren beschäftigt. Die lehren in der Schule Kultur und Sprachen der Jukagieren. Man hat das in der Stadt studiert und einige (der Studierten) sind auf die Dörfer zurückgekehrt. Das ist ein großes Vorbild für andere, dass das existiert und funktioniert - darüber haben sie auch einen Film gemacht. Viele haben nicht so viel Geld und müssen sich um Projektgelder bemühen. Aber die Jakuten haben schon in der Sowjetzeit einen Teil der Diamanten (auf ihrem Territorium, Anm. GW) verfügt, und sich bemüht, dass diese im Land bleiben und die Vorkommen eigentlich ihnen gehören. Daher sind sie auch ein Volk der kleinen nordischen Völker, dem es etwas besser geht und das mehr machen kann.

Jetzt beschäftige ich mich mit der Radiosendung nächsten Dienstag beim Münchner Radio LORA und bereite meinen Vortrag in Lübeck vor „Von Chukotka bis Murmansk - Rohstoffabbau und Indigene Völker!“.

Gudrun: Liebe Tjan, ich danke dir sehr herzlich für das offene und sehr interessante Gespräch, danke, dass du dir die Zeit genommen hast!
Lass uns in Kontakt bleiben.

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traditionelles Boot der Nanai - Amur Flussreise Russland
traditionelles Boot der Nanai - Amur Flussreise Russland
Russland - bei der Amur Flussreise zu Gast bei Nanai - traditionelles Boot der Nanai

mehr Informationen

über das Volk der Itelmenen: 

Buch von Erich Kasten "Lachsfang und Bärentanz", Die Itelmenen 250 Jahre nach ihrer Beschreibung durch Georg Wilhelm Steller.
Unter Mitwirkung von Tjan Zaotschnaja. Bonn, Holos Verlag, 1996, 80 Seiten

als pdf downloadbar

Itelmenen - Link Kia Ora

Bedeutung der indigenen Sprachen

Das Interesse an der Sprache des Volkes zu dem sie gehören, wurde bei den Kindern und Jugendlichen wieder geweckt, heute wird die Sprache der Itelmenen z.B. wieder an einigen speziellen Schulen und in Internetkursen unterrichtet.

22.10.2020, Galina Angarova (Burjatin), Cultural Survival:

Indigene Völker sprechen über 70% der Weltsprachen, obwohl sie nur 6,2% der Weltbevölkerung ausmachen. Indigene Sprachen sind der Zugang zu indigenen Kulturen, Kosmovisionen, Philosophien und traditionellem Wissen; der Erhalt indigener Sprachen ist untrennbar mit dem Erhalt der biologischen Vielfalt der Erde verbunden. COVID-19 hat eine ernsthafte Bedrohung für unsere Ältesten und das riesige Wissen, über das sie verfügen, dargestellt. Es wird geschätzt, dass mehr als 2.000 Sprachen gefährdet sind oder verstummen, von denen jeweils weniger als 1.000 Sprecher heute noch leben.

Warum sind eigentlich Sprachen so wichtig? Sprachen indigener Völker... Sie verschwinden, die Sprachvielfalt unserer Erde scheint ebenso zu verschwinden wie die unzähligen Tierarten und Pflanzenarten, die nun fast täglich „verschwinden“ - sterben. Viele indigene Sprachen sind bereits tot, allenfalls archiviert in den Institutionen wie Bibliotheken, Universitäten, Museum - in Archiven aufbewahrt. Die lebendige Vielfalt der Sprachen - heute gehört sie zum kulturellen Erbe, zu dem immateriellen Erbe der Menschheit und zum geistigen Eigentum (WIPO).

Experten behaupten, dass heute 90% aller Sprachen weltweit gefährdet sind. Manche Sprachen werden nur noch von so wenigen Menschen gesprochen, dass sie mit diesen sterben werden.

Sehr verständlich erklärt Survival International die Bedeutung der Indigenen Sprachen auf seiner homepage im Beitrag „Indigene Sprachen sind der Schlüssel zum Verständnis unseres Selbst“

Zu den beiden wichtigsten Verträgen über die Rechte indigener Völker gehören die ILO-Konvention 169 und die UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker

ILO-Konvention Nr. 169 

Die ILO-Konvention Nr. 169 ist die einzige internationale Norm, welche den indigenen Völkern rechtsverbindlichen Schutz und Anspruch auf eine Vielzahl von Grundrechten garantiert. In 44 Artikeln versichert die Konvention den indigenen Völkern ihre Grundrechte. Die Konvention wurde 1989 beschlossen und trat am 5 September 1991 in Kraft und wurde bisher von erst 20 Ländern ratifiziert. Die ILO 169 soll dieses Jahr nach 30 Jahren intensiver Bemühungen von der Bundesregierung ratifiziert werden! Was für ein Erfolg für die Indigenen!

UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker

Die UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker (UNDRIP) trat im Jahr 2007 in Kraft und ist eine unverbindliche Erklärung, die einen universellen Rahmen von Mindeststandards für das Überleben, Würde, Wohlergehen und die Rechte der indigenen Völker bildet. In der UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker geht es um die individuellen und kollektiven Rechte, kulturellen Rechte und Identität; Recht auf Bildung, Gesundheit, Beschäftigung und Sprache. Die Erklärung verbietet die Diskriminierung von indigenen Völkern und fördert ihre volle und wirksame Teilhabe in allen Angelegenheiten, die sie betreffen. Weiterhin garantiert die Erklärung das Recht aus Selbstbestimmung hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung. Die Erklärung fördert eine harmonische und kooperative Beziehung zwischen Staaten und indigenen Völkern.

Autor: Gudrun Wippel
Fotos: Alexei Nikiforov und Anna Kirillova

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