Sorben / Wenden

Serby - die Sorben

Das kleinste slawische Volk und Nachfahren der slawischen Stämme, die während der Völkerwanderung vor mehr als 1400 Jahren das heutige Gebiet des Ostens von Deutschland besiedelte. Im 10. Jahrhundert verloren sie ihre politische Selbstständigkeit und sie wurden durch gezielte Germanisierung immer weiter zurückgedrängt, ihr Siedlungsgebiet verkleinerte sich. Die Nachfahren der oberlausitzischen Milzener und der niederlausitzischen Lusizer konnten bis heute ihre sorbische/wendische Kultur und Sprache erhalten.

Sorben und Wenden sind gleichwertige Bezeichnungen. Wenden oder Winden wurde Jahrhundertelang in Deutschland gebraucht, die Bezeichnung Sorben  ist von dem sorbischsprachigen Eigennamen Serbja bzw. Serby hergeleitet.

Serbska Kultura - sorbische Kultur

erhielt sich in der bürgerlichen Kultur und entfaltete sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Gebiet der Lausitz in Kunst, Kultur und Wissenschaft.
Die sorbische Lausitz ist die größte Trachtenregion in Deutschland. Es gab einst 10 Trachtenvarianten - man kann sie heute in Museen wie dem Sorbischen Kulturzentrum in Schleife besichtigen und im Museum der Krabat-Mühle Schwarzkollm. Heute sind noch 4 Trachten in Bautzen und Umgebung, in Schleife, Hoyerswerda und Cottbus lebendig. Viele Frauen der älteren Generation tragen die Tracht noch. Zu den Festtagen tragen auch viele junge Frauen udn Mädchen die typischen Trachten. Die Sorben sind heute wieder sehr selbstbewusst und in der Sprache und in den Trachten kommt ihre Identität zum Ausdruck.

Die Sorben pflegen viele Bräuche, die zum täglichen Leben gehören. Besonders herausragend sind die Festtagsbräuche zu Ostern, sowie Winter- und Frühlingsbräuche wie die Vogelhochzeit, die wendische Fastnacht, Osterbräuche (die farbenprächtigen kunstvollen Ostereier sind weltberühmt, Osterreiten und Waleien werden in einigen Orten und Regionen besonders gepflegt), Osterfeuer, das Aufstellen der Maibäume und das Maibaumwerfen können in vielen sorbischen Orten bewundert werden, das Johannisreiten ist ein ganz besonderes Ereignis und zur Erntezeit werden vielerorts alte Erntebräuche gepflegt. 

Sorbische Osterbräuche

Zu den schönsten und bekanntesten Bräuchen der Sorben gehören ihre Osterbräuche. Normalerweise geht es bei den Sorben jedes Jahr zu Ostern laut zu. Das Wendische Osterreiten wird heute noch im Spreewald veranstaltet und das Waleien - oder Eiertrudeln, ein Fruchtbarkeitszauber. Auch Osterwasser wird geschöpft. Die Ornamente und Muster der sorbischen Ostereier sind vielfältig. Viele Symbole haben Bedeutungen, die weit in das 17. Jahrhundert zurückreichen. So symbolisiert das Dreieck auf einem sorbischen Osterei einen Wolfszahn und schützt den Beschenkten vor allen bösen Dingen. Im Frühling geht die Feld- und Gartenarbeit wieder los, eine Bienenwabe symbolisiert den Frühling und den Fleiß. Möchten Sie zu Ostern beste Wünsche für die Gesundheit verschenken, zeichnen Sie Kiefernzweige auf das Osterei.

„Das sorbische Volk ist eigentlich ein österliches Volk, wir haben unser schönstes Fest und unser schönstes Brauchtum um Ostern herum, und das ist eine Demonstration der Hoffnung für unser Volk. Das war eigentlich immer die Stärke des sorbischen Volkes, auf Glauben und Hoffnung zu setzen.

Sorbische Trachten

In der Ober- und Niederlausitz war die Tracht die traditionelle Kleidung der Sorben. Die Kleiderordnung legte fest welches Material und welcher Schmuck an der Tracht von welchem gesellschaftlichen Stand getragen werden durfte. Das galt bis Mitte des 18. Jh. Nach der Französischen Revolution änderte sich der Stil der Kleidung und die Tracht drückte die bäuerliche Lebensweise aus. Im 19. Jahrhundert erwachte das Selbstbewusstsein der Sorben wieder und sie drückten durch das Tragen der Trachten ihre sorbische Identität aus - die Kleidung wurde also zu einem Zeichen der ethnischen Zugehörigkeit. Das war neu.
Vor allem die Trachten der Frauen sind erhalten geblieben in der Alltags- und Festtagstradition der Sorben. In den Festtagstrachten spiegeln sich die Unterschiede zwischen den Regionen wider, es bildeten sich Trachtengebiete heraus. In anderen Gegenden trägt man die Tracht nicht mehr oder nur selten. Dann spricht man von den Truhentrachten, das sind die Trachten, die im Alltag nicht mehr getragen werden. Zu besonderen Anlässen holen die Frauen und Mädchen die Trachten wieder hervor. So werden z.B. in der Gegend um Bautzen von den Mädchen wieder die Konfirmandinnen-Trachten getragen. Die Tracht der katholischen Sorbinnen wird in 85 Orten um Bautzen und Kamenz getragen. Sie ist ganz typisch in dunklen Farben gehalten und die Gestaltung richtet sich nach der Funktion, die Farben haben Symbolwert. Typisch ist z.B. das breite schwarze Kopfband, das über den ganzen Rücken herabhängt. Grün ist die Farbe der Braut. Interessanterweise wird die Männertracht fast überall schon im 19. Jahrhundert nicht mehr getragen. Die größte Trachtenregion befindet sich um Cottbus, die Trachten dort werden oft als Spreewaldtracht bezeichnet. Daher kommt wohl auch die Annahme, dass die Sorben nur im Spreewald zu Hause sind, der jedoch nur einen kleinen Teil des Landes der Sorben ausmacht. Charakteristisch für Trachten dieser Region ist die Lapa, das große Kopftuch und der Bandrock. Die Tracht wurde bis zum 2. Weltkrieg noch von allen Frauen und Mädchen der Region getragen. Heute tragen nur noch ca 100 Frauen die Trachten täglich, ansonsten werden die Festtrachten zu den sorbischen Festen getragen, wie Hahnrupfen oder Zapust. Eine sehr interessante Trachtenregion ist Schleife. Diese kleine Region mit 7 Dörfern zeigt Trachten, die auch die wirtschaftliche Situation heute noch widerspiegeln, denn es war keine wohlhabende Gegend. Woll- und Leinenstoffe, knielanger Rock und Blaudruck sind typisch, sowie eine Haube - blau-gemustert für die Frauen, rot für die Mädchen. Schließlich die Trachtenregion Hoyerswerder mit Trachten aus Woll- und Leinenstoffen in kräftigen Farben. Besonders schön ist der rote oder orange Überrock für Festtrachten und bunte Überrücke für die Alltagstracht. Den Schmuck bilden reichliche Verzierungen aus Glasperlen und Flitter. In Trachten- und Tanzgruppen werden auch die Männertrachten noch gepflegt. 
Die Vielfalt an Trachten für verschiedene Anlässe, soziale Stellung, Altersklassen und Regionen lässt sich hier nicht wiedergeben - im Sorbischen Kulturzentrum in Schleife zum Beispiel findet man eine reiche Ausstellung und bekommt eine interessante Führung zum Thema.

Sorbische Sprache

Die Sorben/ Wenden, sind eine westslawische Ethnie, die vorwiegend in der Lausitz im östlichen Deutschland lebt. Zu den Sorben gehören die Obersorben in der sächsischen Oberlausitz und die Niedersorben/Wenden in der Niederlausitz in Brandenburg, die sich sprachlich und kulturell unterscheiden. Die Sorben sind in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. Sie haben neben ihrer eigenen Sprache eine offiziell anerkannte Flagge und eine eigene reiche Kultur. 2001 wurde das WITAJ-Sprachzentrum in Bautzen gegründet. Die sorbische Sprache wurde wiederbelebt und gefördert. Bereits im Kindergarten sprechen die Kinder Sorbisch und es gibt zahlreiche sehr gute Arbeitsmaterialien wie Sprachlehrbücher, sorbische Schulbücher und Computer-Sprachkurse. das WITAJ-Projekt hat auch den Sorbisch-Unterricht in den Schulen wieder aufleben lassen, der heute ein fester Bestandteil des Unterrichts in der Lausitz ist.

Über die Sorben und die sorbische/wendische Sprache erfahren Sie hier mehr:
https://www.sorbisch-na-klar.de

Domowina - Bund Lausitzer Sorben e.V.

Einige Informationen zu den Sorben/Wenden

Quelle ist die Broschüre "Die Rechte indigener Völker an natürlichen Ressourcen und die Sorben/Wenden"

Daniel Häfner
Lutz Laschewski (Hrsg.)

Sozialwissenschaftliche Umweltfragen, Berichte & Arbeitspapiere // Reports & Working Papers 1
Cottbus 2013

Die historischen Erfahrungen der Sorben/Wenden und die derzeitige Perspektive der sorbisch/wendischen Kultur weisen darauf hin, dass Minderheiten-Kulturen dann bedroht sind, wenn sie nicht über ein Mindestmaß an Selbst-Bestimmung verfügen.
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Die Frage nach der Selbst-Bestimmung von regionaler Entwicklung und Entwicklung der Kultur wird zum anderen auch dann komplex und kompliziert, wenn eine Minderheiten-Kultur auch nicht exklusiv und eineindeutig einem bestimmten Territorium zugeordnet werden kann, wenn also Minderheiten auch in ihrem “angestammten Gebiet“ selbst Minderheiten (geworden) sind. Und dies ist ja bei den Sorben/Wenden der Fall: Die slawische Minderheit der Sorben/Wenden ist auch in ihrem verbliebenen Kernsiedlungsgebiet in der Lausitz eine Minderheit geworden.

Damit stellt sich die Frage einer möglichen parallelen Ausgestaltung von Selbstverwaltungen neben den Strukturen einer Mehrheitskultur. Und es wird relevant, wie solche Strukturen legitimiert werden können und worüber sie eigentlich – in welchen Grenzen – verfügen sollen. Die Bildung wäre ein solcher Bereich der möglichen Verfügung und eine Ausgestaltung könnte auch noch auf Zustimmung treffen. Doch inwiefern könnte eine Vertretung der Sorben und Wenden z.B. auch über die zukünftige Entwicklung von Braunkohletagebauen entscheiden, die ihr Kernsiedlungsgebiet und ihre Kultur beständig bedrohen?
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Sind die Sorben ein indigenes Volk?

Heiko Kosel

Nur eine akademische Frage?

Der Vermutung, die Antwort auf diese Frage sei eher von rein wissenschaftlichem Interesse, ist entschieden zu widersprechen. Vielmehr handelt es sich hier um ein Problem mit beträchtlicher politischer und rechtlicher Relevanz für die Zukunft nicht nur der Sorben, sondern der gesamten Lausitzer Region. Hängt doch von der Antwort auf die in der Überschrift gestellte Frage die Anwendbarkeit zweier internationaler Rechtsnormen – das ILO-Übereinkommen 169 über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern und die Resolution 61/295 der UN-Generalversammlung über die Rechte indigener Völker – wesentlich ab. Da diese beiden Normen die Rechte indigener Völker an dem von ihnen seit alters her besiedelten Land sowie an den dortigen natürlichen Ressourcen in besonderer Weise schützen, dürfte allen, denen die Lausitzer Verhältnisse bekannt sind, klar sein, dass es hier um Wichtiges geht. Der Ausbeutung der Lausitzer Ressourcen im alleinigen Interesse von Großkonzernen könnte – zumindest teilweise – ein Riegel vorgeschoben werden. Zumindest könnten Konzerngewinne in beträchtlich stärkerem Maße als bisher in der Region gehalten werden. Gleichzeitig wären erweiterte politische und rechtliche Möglichkeiten gegeben, Bergbaukonzerne und Staat stärker auf die Lösung solcher Probleme wie z. B. großflächiger Bodenrutschungen und Verockerung der Spree zu verpflichten. Auch der regionsschädigende Abbau von weiteren Ressourcen der Lausitz, wie z. B. Kupfer und Kaolin könnte verhindert oder korrigiert werden. Die Antwortsuche lohnt folglich allemal. Doch wie und wo sollte man beginnen? Dem Zeitgeist folgend bietet sich Wikipedia an. Dort findet man eine „Liste indigener Völker“. Diese ist nach Kontinenten geordnet und unter der Rubrik Europa werden neben den Basken und Samen auch die Sorben genannt. Das ist zwar schön, aber für eine solide Beantwortung der Frage nicht ausreichend. Sinnvoll ist es daher, sich dem Wortsinn der Bezeichnung „indigen“ zuzuwenden.

weiterlesen in der Broschüre "Die Rechte indigener Völker an natürlichen Ressourcen und die Sorben/Wenden"

Daniel Häfner
Lutz Laschewski (Hrsg.)

Sozialwissenschaftliche Umweltfragen
Berichte & Arbeitspapiere // Reports & Working Papers 1

Cottbus 2013

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